Es gibt da diesen Satz, der mir nicht mehr aus dem Kopf geht: „Ein Stein ist im Grunde genommen auch ein Diamant.“
Und je länger ich darüber nachdenke, desto mehr drängt sich mir da ein kleiner Vergleich auf.
Der Stein, so unscheinbar und bodenständig, ist quasi der Underdog unter den Edelsteinen. Wo der Diamant mit seinen funkelnden Facetten und seinem Glamour punkten will, ruht der Stein mit stoischer Gelassenheit auf der Erde.
Der Unterschied zwischen einem Stein und einem Diamanten liegt unter anderem aber hauptsächlich im Marketing.
Während der Diamant in Luxusgeschäften wie ein Promi auf dem roten Teppich präsentiert wird, liegt der Stein ganz entspannt in irgendeinem Vorgarten, vielleicht mit Moos dekoriert, als wolle er sagen: „Ich brauch keinen Glanz, ich habe Charakter.“
Ein Stein ist also im Grunde ein Diamant in Jogginghose. Unkompliziert, gemütlich und ohne die ständige Sorge, ob die Lichtverhältnisse auch seine beste Seite zeigen. Man könnte fast sagen, der Stein ist die Version eines Diamanten, die nach einem langen Tag den BH auszieht und sich aufs Sofa schmeißt.
Dabei hat ein Stein erstaunliche Qualitäten. Er ist vielseitig einsetzbar: Türstopper, Gartendeko, Wurfgeschoss für genervte Nachbarn. Äh, bitte nicht nachmachen!
Aber jetzt mal ehrlich, welcher Stein will schon ein Diamant sein? Diese Erwartungshaltung! Immer blenden, immer perfekt und immer bewundert werden.
Der Stein dagegen darf einfach Stein sein. Er wird vielleicht hin und wieder übersehen, aber er hat Substanz. Und mal unter uns: Wie viele von uns haben schon mal auf einem Diamanten gesessen? Genau, Niemand! Aber auf einem Stein? Mindestens im letzten Urlaub in den Bergen!
Vielleicht sollten wir öfter mal den Stein feiern, als Symbol für Gelassenheit, Bodenständigkeit und dem Potenzial, irgendwann auch mal zu funkeln.
Bis dahin bleibt der Stein, was er ist. Kein Diamant, aber dafür ein gemütlicher, unaufgeregter Kumpel, der die Jogginghose unter allen Edelsteinen trägt.