Im Zauber der Winterstille

Geschichten-Kolumnen

Im Zauber der Winterstille

Im Zauber der Winterstille (Kolumne)

Verfasser: André Stickel

Es war ein außergewöhnlicher Moment. Große Schneeflocken tanzten am abendlichen Himmel, als ob Millionen wild gewordener weißer Hummeln eine fröhliche Parade aufführen. Ein Schauspiel für die Seele und ein Ballett aus Kälte, das in uns allen eine gewisse Melancholie und gleichzeitig ein Gefühl der Geborgenheit weckte.

Der Winter hat etwas Magisches an sich. Seine Schneeflocken sind wie kleine Wunder, die vom Himmel herabgleiten, jedes mit einem anderen Muster, einem anderen Geheimnis. Wir betrachten sie oft nur als Vorboten von Kälte und Glätte, etwas, das uns dazu zwingt, in warme Decken gehüllt im Inneren zu verweilen. Doch vielleicht ist genau das die Einladung, die diese zarten Geschöpfe aus Schnee an uns richten. Zur Ruhe zu kommen, innezuhalten und die Schönheit in der Stille zu entdecken.

Erinnerungen, die aus längst vergangenen Wintern zu uns zurückkehren, mischen sich mit dem Wiegenlied der fallenden Flocken. Es sind Bilder von Kindheitstagen und der Unbekümmertheit, als Schnee noch Abenteuer und Wunder versprach. Der erste Nebel beim Atmen in der Morgenluft, das Knistern von Kaminholz und der unnachahmliche Duft von frischen Brötchen, der aus der Küche strömt. All dies wird im ewigen Kreislauf des Winters wieder lebendig.

Doch diese Eindrücke sind nicht nur Erinnerungen, sondern auch Mahnungen. Sie fordern uns auf, dem hektischen Drang der Zeit zu widerstehen, uns nicht von der Geschwindigkeit des alltäglichen Trubels treiben zu lassen. Lasst uns stattdessen verweilen und die Pracht der Schneeflocken bewundern, wie sie zu Boden sinken, um die Welt in ein leuchtendes Weiß zu hüllen.

Der Tanz der Schneeflocken ist vergänglich, und genau darin liegt seine Schönheit. Er lehrt uns, den Moment zu schätzen, in ihm zu verweilen und ihn mit allen Sinnen zu erleben. Denn auch wenn jede Schneeflocke letztlich verschmilzt und zu einem Teil des großen Ganzen wird, so war sie doch für einen kurzen Augenblick vollkommen.

Und so, während der Schnee weiter fällt, leise, so leise, dass er kaum zu hören ist, finden wir die stille Kraft und die verborgene Melodie des Winters.