Ein Blick zurück

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Ein Blick zurück

Ein Blick zurück (Kolumne)

Verfasser: André Stickel

Es gibt Tage, an denen fühlt sich das Leben an wie ein stillstehendes Uhrwerk. Die Zeiger bewegen sich kaum, die Zeit scheint zu stocken, und wir selbst stecken fest wie in Treibsand.

Es sind diese Momente, in denen wir uns fragen: „Warum komme ich nicht voran?“ Die Antwort darauf liegt jedoch nicht immer im Drängen nach vorne, sondern oft in einem bewussten Blick zurück.

Das Leben hat eine merkwürdige Art, uns unsere Erfolge zu verschweigen. Wir nehmen sie als selbstverständlich hin, als kleine Schritte, die ohnehin zu erwarten waren.

Die Herausforderungen, die wir gemeistert haben, verblassen im Rückspiegel unserer Erinnerung, während die Hindernisse vor uns wie ein Gebirge erscheinen. Doch genau hier liegt die Chance. Denn der Rückblick ist kein Zeichen von Schwäche, sondern eine Möglichkeit, die eigenen Fortschritte zu würdigen.

Wer zurückschaut, sieht nicht nur, was er erreicht hat, sondern auch, wo er einst stand.

Erinnern Sie sich an die Zweifel, die Sie hatten, bevor Sie den neuen Job antraten? An die schlaflosen Nächte, bevor ein wichtiges Projekt abgeschlossen war? Oder an die Angst vor dem Ungewissen, bevor Sie einen mutigen Schritt wagten? Das, was damals wie eine unüberwindbare Hürde wirkte, ist heute Teil Ihres Weges. Ein Meilenstein, den Sie hinter sich gelassen haben.

Der Rückblick ist wie das Umblättern in einem Buch, das Sie selbst geschrieben haben. Jede Seite erzählt von Momenten, in denen Sie Stärke, Durchhaltevermögen oder Kreativität bewiesen haben. Natürlich gibt es auch Abschnitte, die Sie vielleicht lieber ausradieren würden. Aber selbst diese gehören dazu, denn sie haben Sie zu dem gemacht, der Sie heute sind.

In einer Welt, die ständig nach Optimierung strebt, ist es beinahe revolutionär, innezuhalten und zurückzublicken. Es geht nicht darum, sich auf Lorbeeren auszuruhen oder nostalgisch in der Vergangenheit zu verharren. Vielmehr ist es ein Akt der Selbstanerkennung. Ich habe schon so viel geschafft. Warum sollte ich jetzt aufgeben?

Also, das nächste Mal, wenn Sie das Gefühl haben, es geht nicht vorwärts, nehmen Sie sich einen Moment Zeit. Schauen Sie zurück. Und sehen Sie, was Sie schon geschafft haben.

Vielleicht merken Sie dann: Der Weg mag nicht immer gerade sein, aber er ist Ihrer und Sie gehen ihn Schritt für Schritt.