Die Schwabbkante

Frivolitäten-Kolumnen

Die Schwabbkante

Die Schwabbkante (Kolumne)

Verfasser: André Stickel

Sie ist ein körperliches Phänomen und sie sitzt genau da, wo der Hosenbund mit den kleinen Frühlingsrollen des Winterspecks ringt.

Die Schwabbkante.

Sie ist mehr als nur eine Wölbung, denn sie ist ein Statement. Eine Mischung aus zu viel Gemütlichkeit, zu wenig Bewegung und einem inneren Dialog, der bei jedem zweiten Keks sagt: „Ach komm, einer geht noch.“

Ihr Aggregatzustand ist dabei einzigartig. Nicht allzu schwabbelig, aber eben auch nicht straff. So wie ein Sofakissen, das dringend mal aufgeschüttelt werden müsste.

Wir bemerken die Schwabbkante jeden Tag, wie sie sich keck über den Hosenrand schiebt, als würde sie rufen: „Guten Morgen, hier bin ich!“

Sie macht sich überall bemerkbar. Beim Sitzen, wenn die Hose plötzlich kneift. Beim Bücken, wenn der Gürtel sich wie eine unfreundliche Umarmung anfühlt. Und natürlich beim Versuch, diese eine Jeans anzuziehen, die vor Weihnachten noch wie angegossen saß.

Spoiler! Sie sitzt nicht mehr.

Aber hey, es ist nicht alles schlecht. Diese kleinen Frühlingsrollen sind doch auch irgendwie gemütlich, oder? Ein Notvorrat für schlechte Zeiten, könnte man sagen. Und sie sind vielseitig. Im Winter halten sie warm, im Sommer lassen sie sich als Schwimmring nutzen und zwischendurch ganz liebevoll kraulen.

Natürlich könnten wir etwas dagegen tun. Sport treiben, Kalorien zählen, Salat essen. Aber ganz ehrlich. Wollen wir das wirklich jeden Tag? Schließlich gehören diese kleinen Schwabbkanten zur Gemütlichkeit dazu. Sie sind wie ein guter Freund, der sich zu lange auf deiner Couch breitgemacht hat. Ein bisschen nervig, aber irgendwie auch liebenswert.

Also ziehen wir die Hosen ein bisschen höher, den Pulli ein bisschen länger und genießen den nächsten Keks.

Die Schwabbkante bleibt uns somit erhalten.

Und vielleicht, aber auch nur vielleicht, mögen wir sie irgendwann sogar ein bisschen.