Die Powerbank

Die Powerbank (Kolumne)

Verfasser: André Stickel

Es gibt sie wirklich! Jene Möglichkeiten im Stadtpark, auf die man sich setzt und binnen Minuten merkt, wie der innere Akku wieder aufgeladen wird. Nicht mit Kabel oder USB-Anschluss, sondern durch die geheimnisvolle Kraft von frischer Luft und zwitschernden Vögeln.

Wir reden von der Powerbank für die Seele.

Doch Vorsicht ist geboten, denn diese Powerbänke sind heiß begehrt. Schon frühmorgens sichern sich ambitionierte Rentner, ausgestattet mit Krückstöcken und Taubenfutter, die besten Plätze.

Die mittlere Bank, die im Halbschatten liegt und einen optimalen Blick auf den Ententeich bietet? Belegt.

Die Bank mit der Rückenlehne, die so schräg ist, dass man glaubt, auf einer Sonnenliege zu sitzen? Belegt.

Bleibt nur die Bank ganz hinten, direkt neben dem Mülleimer. Aber hey, auch diese hat einen gewissen Charme, wenn man bereit ist, sich durch den Duft von Hundebeuteln und alten Pizzaschachteln zu meditieren.

Die Parallelen zur elektrischen Powerbank sind übrigens erstaunlich.

So wie wir uns im Alltag darauf verlassen, dass unsere tragbaren Akkus uns durch den Tag bringen, können wir uns im Stadtpark auf die Powerbank als Ruhepol verlassen.

Aber wie bei jedem Ladegerät gibt es hier Regeln:

  1. Geduld ist Pflicht. Die inneren Akkus laden nicht schneller, wenn man ständig auf die Uhr schaut oder genervt auf der Bank hin und her rutscht. Ruhe ist der Schlüssel, auch wenn nebenan ein Kind mit einem Roller die Ruhezone in einen Formel-1-Kurs verwandelt.
  2. Gemeinsames Laden ist schwierig. Eine Bank lädt am besten, wenn man sie allein oder mit maximal einer weiteren Person nutzt. Gruppen von fünf oder mehr Menschen verwandeln die Bank in ein soziales Minenfeld, bei dem man am Ende mehr Energie verliert, als man gewinnt.
  3. Vorsicht vor Überladung. Zu viel Bankzeit kann dazu führen, dass man sich plötzlich nicht mehr aufgeladen, sondern zu entspannt fühlt. Mit anderen Worten, man wird bewegungsunfähig. Ein kurzes Nickerchen unter freiem Himmel mag romantisch klingen, endet aber meist mit steifem Nacken und verstörten Blicken von Passanten.

Manchmal fragt man sich, warum nicht gleich ein echter USB-Anschluss in diese Powerbänke im Park eingebaut wird. Schließlich haben wir alle das Bedürfnis, nicht nur unsere Seelen, sondern auch unsere Smartphones aufzuladen. Aber dann erkennt man eines. Die wahre Stärke der Stadtpark-Powerbank liegt in ihrer Einfachheit.

Nur die Natur, die Bank und wir.

Also, liebe Stadtparkbesucher. Schnappt euch eure thermische Kaffeetasse, ignoriert die Eichhörnchen, die euch skeptisch anstarren, und lasst euch von der Stadtpark-Powerbank aufladen.

Denn in einer Welt, die ständig nach mehr Akkulaufzeit schreit, ist eine Powerbank im Grünen manchmal das einzige Ladegerät, das wir wirklich brauchen.