Hoch oben am Nachthimmel, da erstreckt sie sich in all ihrer Pracht.
Die Milchstraße.
Sie ist ein leuchtendes Band aus Sternen, das sich majestätisch durch die Dunkelheit zieht und doch wirkt sie ein wenig so, als hätte jemand beim Frühstück einen Karton umgestoßen und dabei die Milch großzügig über das Universum verteilt.
Es ist schon bemerkenswert, dass unser gesamtes Sonnensystem nur ein winziger Klumpen in dieser kosmischen Milchpfütze ist.
Und während wir hier unten noch diskutieren, ob Hafer-, Soja- oder Mandelmilch die bessere Wahl ist, bleibt die Milchstraße ganz traditionell bei ihrem Namen.
Keine „Galaktisch-Laktosefreie-Sternenspur“ oder „Vegane-Milchweg-Alternative“.
Nein, einfach Milchstraße. Denn die Astronomen früherer Zeiten hatten offenbar keinerlei Unverträglichkeiten. Und natürlich kann man sich fragen: „Wer hat sich denn dann diesen Namen ausgedacht?“
Natürlich! Die Griechen waren es!
Für sie war die Milchstraße göttliche Muttermilch, die Hera beim Stillen aus Versehen über den Himmel geschüttet hatte. Offenbar waren die antiken Götter nicht nur für Dramen und Blitze bekannt, sondern auch für ihre ungeschickten Hände.
Die Römer haben das Ganze dann übernommen, wahrscheinlich, weil „Via Lactea“ einfach schicker klingt als „Unfall beim Stillen“.
Dabei könnte die Milchstraße genauso gut auch anders heißen. Denn aus der Entfernung betrachtet, sieht sie eher aus wie ein Sternenstaub-Straßenschaden oder ein unordentlich gefegter Glitzerkorridor.
Aber nein, wir bleiben bei der Milch. Vielleicht auch deshalb, weil wir Menschen einfach ein Faible für Essen in der Astronomie haben. Man denke nur an den „Keksnebel“.
Äh, ich meine natürlich den „Krebsnebel“.
Oder an den Mars, der sich doch viel besser als Schokoriegel vermarktet als als lebensfeindlicher Wüstenplanet.
Doch was bedeutet die Milchstraße eigentlich wirklich für uns?
Sie ist die Erinnerung daran, dass wir in einem unfassbar großen Universum leben. Dass unsere alltäglichen Probleme winzig erscheinen, wenn man bedenkt, dass irgendwo da draußen eine Supernova explodiert oder ein schwarzes Loch gemütlich Materie verschlingt.
Also, wenn ihr das nächste Mal in einer klaren Nacht den Blick gegen den Himmel richtet und die Milchstraße erstrahlen seht, dann denkt daran.
Sie ist nicht nur ein atemberaubendes Wunder des Universums, sondern vielleicht auch der schönste Beweis dafür, dass selbst im größten Chaos noch Schönheit steckt.
Und dass Hera dringend eine Wischlappen-Galaxie hätte hinterherschicken sollen.