Die Broilerbar von Bautzen

Die Broilerbar von Bautzen (Kolumne)

Verfasser: André Stickel

Manche Geschäfte verschwinden immer wieder mal aus dem Stadtbild von Bautzen, jedoch nicht aus dem Herzen.

Eine kleine Broilerbar auf der Reichenstraße, an der Ecke „Kurze Gasse“ war in den 70er und 80er Jahren so ein Ort. Unauffällig, ein paar Stufen unter Straßenniveau und doch eine kleine Legende. Denn wer einmal das goldbraun knusprige Hähnchen aus der Papiertüte genossen hatte, der konnte es nicht wieder vergessen.

Doch was diese Broilerbar für viele sicherlich unvergesslich machte, war nicht nur der Duft von Grillhähnchen, der die Luft der Reichenstraße erfüllte. Es war ein kleines technisches Wunderwerk, das in der Kindheitserinnerung vieler Bautzener bis heute einen Ehrenplatz hat.

Der Limonadenautomat.

Für ein 20 Pfennig-Stück spuckte er eine sprudelnde Erfrischung in einen schlichten Plastikbecher und für viele war dieses Erlebnis wichtiger als die Limonade selbst. Das Klirren der Münze, das leise Summen des Automaten und das anschließende Prickeln auf der Zunge. Das war kleiner Luxus zu einer Zeit, in der Genuss oft nicht einfach zu bekommen und von daher sehr kostbar war.

Die legendäre Broilerbar mit ihrem Getränkeautomaten ist bereits Geschichte und auch die 20-Pfennig-Stücke gibt es längst nicht mehr.

Aber manchmal, wenn uns der Geruch von gegrilltem Hähnchen in die Nase steigt oder wenn wir wieder auf der Reichenstraße an der Ecke „Kurze Gasse“ stehen, dann blitzt sie wieder auf.

Die Erinnerung an eine Zeit, in der ein einfacher Becher Limonade und ein knuspriges Hähnchen die Welt für einen Moment perfekt gemacht haben.