Es gibt zwei Arten von Menschen. Die einen suchen Fehler mit dem Fernrohr, die anderen brauchen dazu nur einen Spiegel.
Die erste Gruppe zoomt sich durchs Leben, stets auf der Jagd nach Schwächen und Makeln bei anderen. Ihr bevorzugtes Werkzeug ist ein hochauflösendes Teleskop mit eingebautem Moralapostel-Modus.
Die zweite Gruppe hingegen schaut einfach in den Spiegel und erkennt: „Hoppla, das Chaos beginnt ja direkt hier!“
Aber mal ehrlich. Wer hat schon Lust, sich selbst die Blöße zu geben? Viel unterhaltsamer ist es doch, mit strengem Blick auf die anderen zu zeigen.
Das Problem am Fernrohr-Modus ist, dass man irgendwann völlig vergisst, wie man sich selbst eigentlich so schlägt. Man lebt in einer Illusion. Die anderen sind fehlerhaft und man selbst ist ein makelloses Wunderwerk.
Aber wehe, es kommt einer mit einem noch besseren Fernrohr daher! Dann wird’s schnell ungemütlich.
Der Spiegel hingegen ist ehrlich.
Er zeigt nicht nur die Knitterfältchen und die Schokoflecken auf dem T-Shirt, sondern auch den kritischen Blick, den man sonst nur für andere reserviert hat.
Aber das Schöne ist. Der Spiegel hält einem nicht vor, dass man unperfekt ist. Er zeigt nur, dass das völlig normal ist.
Mal unter uns. Wäre es nicht viel entspannter, sich selbst ab und zu mit einem Augenzwinkern zu betrachten?
Vielleicht würde die Welt etwas freundlicher, wenn wir unsere Fernrohre öfter mal gegen Spiegel eintauschen. Oder noch besser, gegen eine Sonnenbrille.
Dann sieht sowieso alles ein bisschen cooler aus. Oder?