Der Kaffeevollautomat

Geschichten-Kolumnen-Satire

Der Kaffeevollautomat

Der Kaffeevollautomat (Kolumnen)

Verfasser: André Stickel

Es gibt Momente im Leben, da trifft einen nicht die Erleuchtung, sondern ein heftiges Koffein-Defizit.

So geschah es mir kürzlich, als ich während einer Tagung in Altenburg, vollgepackt mit wichtigen Themen und dem vertrauten Gefühl eines “Suppen-Komas” kämpfte.

Denn der Mittagstisch hatte mir alles gegeben, außer Energie.

Ich musste irgendwie wieder ins Leben zurückfinden. Und der einzige Weg dorthin führte über den Pausenraum. In diesem befand sich eine Maschine für Kaffee. Aber nicht irgendeine Maschine. Oh nein. Es handelte sich hierbei um einen der höchstentwickelten Kaffeevollautomaten, der mein Schicksal nun in der Hand hielt.

Nach der ersten Berührung des futuristischen Geräts, das mehr einem Raumschiff als einem Kaffeeautomaten ähnelte, war ich mir sicher, dass ich gleich durch das Display hindurch angesprochen würde. Etwa: „Ich habe dich erwartet.“

Doch leider war die Realität eine andere.

Statt des erhofften Kaffeegenusses, spuckte mir der Automat ein undurchschaubares Durcheinander an Fehlermeldungen entgegen.

„Fehlendes Wasser“ stand da. Aha, ich hatte also tatsächlich vergessen, den Wasserspeicher zu füllen, bevor ich mich auf den Weg in die Kaffeeküche begab. Aber okay, das war schnell behoben.

Es folgte „Zu voller Kaffeefilter“. Na klar, weil jeder Kaffeetrinker in irgendeiner Art den Filter überfüllt. Warum auch nicht?

Und dann „Fehlende Milch“. Wären meine Haare nicht so kurz, hätte ich sie jetzt raufen können.

Ich begann, an der Glaubwürdigkeit des Automaten zu zweifeln. Konnte es sein, dass er mich absichtlich quälte? Dass da irgendwo eine geheime Kamera installiert war, die mich beobachtete?

Vielleicht war mein Gesicht darauf gespeichert, mit der Notiz: „Kein Kaffee für den da!“

Zumindest hatte der Automat stets ein neues Problem parat, das meine Hoffnung auf Kaffee im Keim erstickte. Inzwischen war ich so verzweifelt, dass ich bereit war, mein Suppen-Koma einfach so auszusitzen.

Das Ganze zog sich hin.

Die Schlange vor dem Automat wurde immer länger, während jeder, der seinen Versuch startete, sich mit genau den gleichen Systemfehlern wie ich herumschlug.

Es war ein Drama in Zeitlupe.

Am Ende der Pause war ich so entnervt, dass ich fast den Gedanken hegte, den Automaten zu umarmen, nur um wenigstens ein bisschen Wärme zu spüren. Aber dann dachte ich: „Warum sich quälen? Warum diese hochtechnologische Farce akzeptieren?“

Ich habe dann später den Feedbackbogen genutzt, um eine einfache, aber klare Botschaft zu hinterlassen: „Bitte, im nächsten Jahr wieder eine Kaffeekanne und zwar die zum Pumpen. Einfach drauf drücken und heißer Kaffee kommt!“

Denn nach all dem Drama und dem Technik-Overload habe ich eine tiefe Erkenntnis gewonnen. Manchmal braucht es nichts mehr als eine gute, alte Kaffeekanne, um das Leben wieder in Schwung zu bringen.