Es gibt Orte, die sich unauslöschlich in das kollektive Gedächtnis einer Stadt brennen und einer davon war das „Café Libresso“ in Bautzen.
Es handelte sich hierbei um ein kleines Café-Stübchen auf der Wendischen Straße, das zu DDR-Zeiten nicht nur das beste Eis der Stadt, sondern auch die wohl höchste Feinstaubkonzentration außerhalb eines Kohlekraftwerkes bot.
Wer das Glück hatte, als Kind an der Hand seiner Eltern in diese Räucherhöhle geführt zu werden, lernte früh, was wahres Durchhaltevermögen bedeutete.
Denn bevor man das legendäre Eis genießen durfte, musste man sich erst einmal durch eine Wand aus blauen Schwaden kämpfen. Der Trick war, tief Luft zu holen, einen gezielten Sprint zur Theke hinzulegen, die Bestellung in einem Atemzug aufzugeben und dann, mit etwas Glück, die begehrte Eiswaffel in der Hand zu halten, bevor man ohnmächtig wurde.
Und das Eis selbst? Es war himmlisch! Cremig, süß, ein Gedicht aus Schokolade, Vanille oder Erdbeer.
Der Haken? Es war unweigerlich gesmoked. Jeder Bissen schmeckte nach einer dezenten Note von F6 oder Karo ohne Filter. Wer einen sensiblen Gaumen hatte, konnte sogar die Marke der Zigaretten herausschmecken.
Ein echter Test für Feinschmecker!
Und doch, es war ein einzigartiges Erlebnis, so wie auch diese filigranen Miniatur-Plastiklöffel, mit ihrer riesigen Auswahl an Vornamen.
Wo sonst konnte man sein Immunsystem bereits im Kindesalter mit einem Mix aus Zucker und Nikotin stählen? Wo sonst wurde die Lunge beim Eisessen gleichermaßen trainiert wie bei einem Hochleistungssport?
Das „Café Libresso“ war ein Ort der Begegnung, wo sich Raucher und Eisliebhaber in inniger Harmonie vereinten.
Heute, in Zeiten von Rauchverboten und Luftfiltern, ist dieses Erlebnis unwiederbringlich verloren. Kein Hipster-Café mit veganem Soja-Matcha-Pistazien-Eis kann je den einzigartigen Charme einer Eiswaffel aus dem „Libresso“ ersetzen, veredelt mit einer dezenten Rauchnote.
Ja, das Eis war gesmoked, aber es war verdammt nochmal auch lecker!
Achtung: Dieser Artikel kann Spuren von Satire enthalten! 😉