Es ist ein unverwechselbares Schauspiel, das sich jedes Jahr gegen Ende Dezember abspielt: Halb Deutschland sitzt in der Küche, runzelt die Stirn über die Preise von Butter ab 2,39 Euro für 250 Gramm und stellt sich dann schon ab 0:01 Uhr am offiziellen Vorverkauf für Silvesterfeuerwerk an, der aber erst gegen 8:00 Uhr startet.
Wir Deutschen, bekannt für unsere Sparsamkeit und einer fast schon religiösen Hingabe zum Preisvergleich, scheinen am 31. Dezember plötzlich alle Hemmungen zu verlieren. Die Butter ist zu teuer? Unverschämt! Aber eine Rakete, die für drei Sekunden einen roten Stern in den Himmel zaubert, darf gerne ebenfalls ab 3,00 Euro kosten. Und da reicht natürlich nicht nur eine. Nein, die „Familienbatterie XXL“ muss her, weil schließlich auch die Nachbarn beeindruckt werden wollen.
Butter hält sich im Kühlschrank wochenlang, ist ein wertvoller Bestandteil der Küche und Grundlage unzähliger Köstlichkeiten. Eine Rakete dagegen ist genau das: eine Rakete. Einmal angezündet, verschwindet sie schneller als ein Bundestagsversprechen nach der Wahl. Was bleibt, ist ein leeres Portemonnaie, der Geruch von Schwefel und ein Gefühl von fragwürdiger Befriedigung.
Ab Januar wird dann wieder geschimpft, dass man sich die Grundnahrungsmittel kaum noch leisten kann. Die Butter ist dann entweder ganz aufgebraucht oder ranzig, die Waage beschwert sich, und die Silvesterbatterien liegen, immer noch halb angekokelt, im Garten.
Und dennoch: Wir Deutschen sind eben ein Volk der Traditionen. Wenn die Wahl zwischen Butter und Böller ansteht, ist die Entscheidung klar. Schließlich gibt es einen wahren Preis, der unbezahlbar bleibt: den Neid des Nachbarn, der beim Anblick unseres Feuerwerks still murmelt: „Nächstes Jahr kaufe ich mehr!“
Prosit Neujahr!